Umbruch im Designbereich

Über die Wirkungsrelevanz partnerschaftlicher Initiativen in Zeiten gesellschaftlicher, kultureller, politischer und wirtschaftlicher Herausforderungen.

Der ungarische Autor, Systemtheoretiker und Wissenschaftsphilosoph Ervin Laszlo hat in seinem Buch »Macroshift« (USA 2001/D 2003) eine »Chaossprungphase des weltweiten Macroshift« prognostiziert – »ausgelöst durch extreme Belastungen infolge politischer Konflikte, Anfälligkeit der Wirtschaft, gesellschaftlicher Unsicherheit, finanzieller Volatilität und wachsender Probleme mit dem Klima und der UmweltEr schrieb: »Die fortschreitende Globalisierung der Wirtschaft verbunden mit intensiverem Kontakt völlig uneinheitlich ausgeprägter Kulturen und Gesellschaften drängt zu einer unabdingbaren Entscheidung. Wenn die ab 1860 in Gang gesetzten und ab 1960 beschleunigten Abläufe unverändert andauern, wird der weltweite Zusammenbruch folgen

Er folgert aber auch, dass das Wesen der daraus hervorgerufenen Transformation nicht schicksalhaft ist und es in einem chaotischen System alternative Evolutionspfade gibt. Zwei Möglichkeiten zog er in Betracht:

  • Eine Zusammenbruchsperiode ab 2010 – »Sturheit und mangelnde Voraussicht werden zu Belastungen führen, welche die bestehenden Institutionen nicht länger aushalten können. Konflikte brechen aus, die Gewalt und Anarchie nach sich ziehen
  • Eine Durchbruchsperiode ab 2010 – »Ein neues Denken mit angepassteren Werten und einem weiterentwickelten Bewusstsein katalysiert die Kreativität in der Gesellschaft. Menschen und Institutionen lernen, den weltweiten Macroshift zu navigieren und die durch unreflektierte Begeisterung für Technologie, Wohlstand und Macht entstandenen Belastungen zu meistern. Ein neues Zeitalter bricht an: das Zeitalter einer friedlichen und nachhaltigen Kultur […]«

Welchen der beiden Pfade wir gehen werden, ist in Anbetracht jüngster Ereignisse ungewiss. Aber die Chance zum Durchbruch besteht!


Utopien – die einen Umbruch zum Durchbruch ermöglichen

»Design kann auch Möglichkeitsräume aufzeigen und so Utopien entwerfen.« Dies stellt der Designtheoretiker Friedrich von Borries in seinem Beitrag »Design als Intervention« (im Kursbuch 184, gemeinsam mit der Philosophin Mara Recklies) fest.

Utopien sind es, die einen Umbruch zum Durchbruch ermöglichen. Der Soziologe Oskar Negt hat dies in seinem Buch »Nur noch Utopien sind realistisch – Politische Interventionen« treffend analysiert. Dazu braucht es Emanzipationsbewegungen, die ein aufgeklärtes Denken pflegen und politische Urteilskraft entwickeln.


Partnerschaftliche Zusammenarbeit

Hier können partnerschaftliche Initiativen helfen, die sich als Gestalter des Umbruchs verstehen, mit dem Ziel, Chancen zu nutzen und einen Beitrag zum Durchbruch zu leisten.

Diese können sich finden und entwickeln, wenn sie klein anfangen uns sich die Zeit nehmen, qualitativ zu wachsen – vor allem in der Zusammenarbeit, in der Kommunikation. Das heißt, sich von Anbeginn die Unterschiede der Individuen bewusst zu machen, die sehr verschieden sind, weit davon entfernt, homogen zu sein. Und es heißt auch, genau dieser Individualität in einem dialogischen Prozess Raum zu lassen, sich kennen, respektieren und vor allem aushalten lernen. Und wenn dies reifen kann, dann wird sich ihnen fortwährend das Gemeinsame zeigen, auch, dass dieses Verbindende mehr ist als vorher ersichtlich war. Das wertvollstes Gut ist die Heterogenität, mit der sie lernen, leben und arbeiten zu können. Auf dieser Basis sind sie mehr und mehr in der Lage ihre Kommunikation dialektisch zu erweitern, das Gemeinsame in den Mittelpunkt zu stellen, ohne in Gefahr zu laufen, von ihrer Unterschiedlichkeit überrascht und blockiert zu werden.

Wenn sie das regelmäßig üben und weiterentwickeln, ihr Selbstverständnis und ihre Haltung definieren, dann sind sie auch  in der Lage, daraus Utopien und Ziele zu formulieren – ein Austauschformat zu entwickeln wie etwa einen Denkraum.

Wenn die Zeit reif ist, können sie damit an die Öffentlichkeit gehen, darüber informieren, dass es sie gibt, welche Erfahrungen sie in ihrer Findungphase gemacht haben und was sie dazu bewegt hat, den Umbruch aktiv zu gestalten. Sie sollten allen Interessierten sagen, dass es möglich ist – trotz aller Unterschiedlichkeit oder gerade deswegen – Chancen gemeinsam wahrzunehmen, diese zu interpretieren, sie zu visualisieren und umzusetzen. Sie sollten zeigen, was Designer_innen zu leisten vermögen und welchen Wert sie für unsere Kultur, unsere Gesellschaft haben.

Sie sollten alle einladen, mitzumachen, um ihrem Ziel gemeinsam zu einem Durchbruch verhelfen. Alle – berufliche und nichtberufliche Designer_innen.