Wolf Lotter: Die kreative Revolution

»Die kreative Revolution – Was kommt nach dem Industriekapitalismus?«. Ein erhellender Beitrag zur Diskussion über die sogenannte Kreativwirtschaft.


Der Journalist und Autor Wolf Lotter ist bekannt geworden durch seine Leitartikel für das Wirtschaftsmagazin brand eins. Dort hat er in einem Essay (Mai 2007) die Kreativen als »Die Gestörten« beschrieben. Er machte darin auch klar, dass Kreativ nicht die Zugehörigkeit zu einem Sektor (Branche) bezeichnet, sondern in allen Bereichen der Wirtschaft und Institutionen zu finden ist.

In seinem 2009 erschienenen Buch »Die kreative Revolution« knüpft er daran an und stellt fest, dass sich die Begriffe Creative Economy, Ideenwirtschaft, kreative Ökonomie, Kreativwirtschaft, Kulturwirtschaft und Kunstbetrieb ähneln aber nicht dasselbe meinen. Diese stehen für Unternehmen und Organisationen, die etwas »Kreatives« herstellen oder in Umlauf bringen, einschliesslich aller künstlerischen Berufe. Er spricht hier von den Unternehmen der Kulturwirtschaft, die den Begriff der kreativen Organisation wesentlich geprägt haben.

Wolf Lotter führt die zur klassischen Kulturwirtschaft zählenden Teilbereiche auf und verweisst auf die Grundsatzdebatten, in deren Folge man nicht ohne Gewürge die Branchen Werbung und Software-/Game-Produktion hinzufügte. Kritisch merkt er hier an, dass es um ein eifersüchtiges Verteidigen einer als besonders hochwertigen erachteten Tätigkeit ging – des selbstständigen geistigen Schaffens, der kreativen Schöpfung.

Er geht weiter auf Begriffsdefinitionen ein und stellt fest, dass die weit verbreitete Gleichstellung von Kulturwirtschaft und Creative Economy falsch ist. Etwas, was uns als kreativ erscheint kann nicht nur in einem klassischen Rahmen – eine Kulturbetrieb oder einem Kulturprodukt – präsentiert werden. Vielmehr bedeutet die Gesamtheit der Leistungen der Creative Economy einen Umbruch in der Ökonomie.

Er fasst das wie folgt zusammen: »Creative Economy ist nichts anderes als eine Wirtschaft, die sich darüber im Klaren ist, dass nur Ideen und neue Lösungen, schöpferisches Denken sowie Handeln und die Entwicklung von Wissen zukunftsfähig sind. Ideen sind Kapital. Kapital ist personengebunden. Die Folge: Das Vermögen eines Unternehmens sind seine Mitarbeiter.«

Wolf Lotter zielt damit auf den grundlegenden Unterschied zwischen der industriellen Massenproduktion und der Ideenwirtschaft mit dem damit verbundenen Wandel ab. Es geht hier um die Offenheit von Unternehmen und Organisationen hinsichtlich kreativer Prozesse.

Die Begriffe von der Creative Economy bis zum Kunstbetrieb sind wenig geeignet eindeutige Branchen- und Berufsdefinitionen zu leisten. Auch die Bezeichnung Kuturwirtschaft ist lediglich eine politische Hilfsdefinition, für die Zuordnung früher wenig beachteter aber immer wichtiger werdenden Branchen.

Wolf Lotter (und seinen Mitautoren) ist es zu verdanken, Hintergründe und Zusammenhänge deutlich werden zu lassen. Daher ist sein Buch jedem dringend zu empfehlen, der sich mit der sogenannten Kreativwirtschaft beschäftigt. Das trägt nicht nur zu Erhellung bei, es hilft auch die Peinlichkeit zu vermeiden – unreflektiert den Begriff Kreativwirtschaft über alles zu stülpen.

Murmann Verlag, Hamburg 2009
ISBN 978-3-86774-062-3


Joachim Kobuss · September 2011