Walter Isaacson: Steve Jobs

»Steve Jobs – Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers«. Wie man eine Delle im Unversum hinterlässt. Anders Denken.!

Als ich mich selbstständig gemacht habe, stand ich vor der Entscheidung, mein Startkapital in ein Auto oder einen Computer zu investieren. Ich entschied mich für einen Computer. Einen Apple Mac. Schon früher faszinierte mich das Unternehmen Apple und später die Unternehmerpersönlichkeit, Steve Jobs.

Da war zunächst dieser Computer, der mir als intuitiven Nutzer das Arbeiten und Leben leichter machte. Da waren die weitreichenden Veränderungen im Desktop-Publishing. Da waren diese neuen und wunderbaren Animationsfilme. Und Steve Jobs, der nicht nur die Computerbranche (Apple/NeXT) revolutionierte, sondern auch die Filmindustrie (Pixar), und später die Musikindustrie, und auch den Mobilfunk, und … (?).

Schon während meiner Zeit in der Industrie bin ich den Macintosh‘s begegnet und registrierte, dass diese bei Designern und auch in Marketing-/PR-Abteilungen sehr beliebt waren. Ein Buch über das »Management á la Macintosh« (Guy Kawasaki, 1991) hat mir erstmalig einen Einblick in die Denkweise dort gegeben. Zehn Jahre später las ich dann über »Das unglaubliche Comerback des Steve Jobs – Wie er Apple zum zweiten Mal erfand« (Alan Deutschman, 2001). Und danach »Steve Jobs – und die Geschichte eines außergewöhnlichen Unternehmens« (Jeffry Young, William L. Simon, 2005).

Das nun neueste (soeben posthum erschienene) Buch »Steve Jobs – Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers« von Walter Isaacson, ist in mehrfacher Hinsicht beeindruckend. Der Autor setzt sich umfassend mit der Persönlichkeit von Steve Jobs auseinander, insbesondere auch mit den Widersprüchen in seinem Verhalten.

Die extrem anmutende Sprunghaftigkeit und die charakteristischen Gegensätze bestätigen die, von dem Psychologen Mihaly Csíkszentmihalyi (in seiner umfangreichen Studie zur Kreativität) festgestellten, typischen Gegensätze von kreativen Menschen. Der Ökonom Joseph A. Schumpeter hätte seine ware Freude an Steve Jobs gehabt, lebte dieser doch seine Theorie der »schöpferischen Zerstörung«.

Steve Jobs war Designer und Unternehmer. Und er war erfolgreich – der erfolgreichste. Welcher Designer und Unternehmer kann für sich in Anspruch nehmen, gleich vier Branchen weltweit revolutioniert zu haben?

Das Buch ist eine Sammlung vieler Geschichten – unglaublicher und auch berührender. Zwei sind mir besonders aufgefallen.

Seine Begegnung und Zusammenarbeit mit dem Grafikdesigner Paul Rand. Als er diesen fragte, ob er ihm für sein Unternehmen NeXT eine Reihe von Alternativen für das Logo zur Auswahl liefert, antwortete dieser: »Ich löse Ihr Problem, und Sie bezahlen mich dafür. Sie können das verwenden, was ich geschaffen habe, oder auch nicht, aber ich entwickle keine Alternativen. Und wie immer Sie sich entscheiden, Sie bezahlen mich.« Jobs schätze diese Art zu denken und zahlte ein Pauschalhonorar von 100 000 Dollar – für genau ein Design. (Seite 263)

Seine Zusammenarbeit mit dem Produktdesigner Jonathan (Jony) Ive. Beide verband eine Seelenverwandschaft und gemeinsame Designphilosophie: »Einfachheit heißt, sich durch die Tiefen der Komplexität hindurchzuarbeiten. Um wirklich einfach zu sein, muss man ziemlich tief eintauchen. […] Design ist die Seele, die jedem von Menschen geschaffenen Werk zugrunde liegt und die letztendlich in aufeinanderfolgenen äußeren Schichten zum Ausdruck kommt.« (Seite 403)

Steve Jobs war ein Unternehmer (Entrepeneur) in Reinkultur, auch und gerade weil er ein »Designer« war. Das wird u.a. deutlich durch diesen Gedanken: »Meine Leidenschaft bestand darin, eine überdauernde Firma aufzubauen, in der die Leute motiviert waren, großartige Produkte herzustellen. Alles andere war zweitrangig.« (Seite 661)

Dieses Buch ist mehr als eine Biografie. Es ist ein Lehrbuch über Design und Entrepreneuship. Es sollte für jeden Designer eine Pflichtlektüre sein. Auch um sich bewusst zu machen, dass Designer Voraussetzungen schaffen – für Innovation und Orientierung.

»Steve Jobs war einer der größten amerikanischen Innovatoren – mutig genug, um anders zu denken, verwegen genug, um zu glauben, er könnte die Welt verändern, und talentiert genug, es tatsächlich zu tun.« (Barack Obama)

Eben – eine Delle im Universum hinterlassen.

C. Bertelsmann Verlag, München 2011
ISBN 978-3-570-10124-7

Joachim Kobuss · November 2011