Susanne Zippel: Fachchinesisch

»Fachchinesisch TypografieChinesische Schrift verstehen und anwenden · Grundlagen multilingualen Erfolges in den Märkten des Fernen Ostens«. Über Bildung und Identität.

Das Buch ist mir erstmalig auf der letzten Frankfurter Buchmesse aufgefallen und gleich in meine Wunschleseliste eingegangen. Seit dem hatte ich es jedoch aus den Augen verloren, bis ich kürzlich das große Glück hatte, die Autorin persönlich kennen zu lernen.

Ich bin weder Designer noch Typograf, habe mich aber aus Neugier mit dem Thema über Otl Aicher, Erik Spiekermann und Hans Peter Willberg beschäftigt. Weit davon entfernt einer Expertenfantasie zu erliegen, hat es mir bei der bewussten Auswahl von Schriften, für mein Business, sehr geholfen und mich sensibilisiert bei der Auswahl meiner Bibliothek.

Als nun stolzer Besitzer des Buches von Susanne Zippel, bin ich in die mir völlig fremde Welt der CJK-Schriften (Chinesich, Japanisch und Koreanisch) eingetaucht und las das Buch von vorn bis hinten (gegen den Rat der Autorin, es als Nachschlagewerk zu nutzen und nur einige ausgewählte Kapitel zu lesen).

Ich muss gleich vorausschicken, dass ich das meiste nicht verstanden habe (die Autorin hatte mich gewarnt). Allerdings habe ich mir die pädagogische Strategie zu eigen gemacht, auch solche Texte vollständig zu lesen, deren Sinn sich mir nicht gleich erschliesst – um den Kontext zu erfassen. Auf Seite 56 finde ich zu meiner Überraschung einen Hinweis auf eine ebensolche Vorgehensweise in den chinesichen Schulen, beim Erlernen der chinesischen Schriftzeichen .

Langsam ahnte ich, dass ich hier zwar ein Buch vor mir habe, dass sich in erster Linie wohl mit Typografie beschäftigt, aber – wie der Untertitel auch schon ahnen lässt – mehr bietet. Wobei die »Grundlagen multilingualen Erfolges in den Märkten des Fernen Ostens« lediglich auf einen weiteren Aspekt hinweisen – einen zweifelsohne kulturell und ökonomisch eminent wichtigen!

Nach dem ich es ganz gelesen habe, ist mir klar geworden, dass hier nicht nur ein außerordentliches Spezialisten-Wissen weitergegeben wird; es ist im Grunde gleichermaßen ein Buch über Aus- und Weiterbildung, Orientierung, Identität und Respekt.

Susanne Zippel ist ohne Zweifel eine ausgewiesene Expertin für CJK-Schriften, auch weil sie viele Jahre in China und Japan gelebt hat. Sie hat damit hier in Deutschland ein (marketingstrategisches) Alleinstellungsmerkmal. Wer sie persönlich kennt, weiß, dass sie darüber hinaus eine hohe Identitätskompetenz besitzt und sehr engagiert ist – also für Überraschungen gut. Wir dürfen gespannt sein.

Meine Empfehlung zum Buch: Nutzen Sie es als Nachschlagewerk für technische Detailfragen und lesen Sie es ganz, um mehr über Bildung und Identität zu erfahren.

Verlag Hermann Schmidt, Mainz 2011
ISBN 978-3-87439-818-3


Joachim Kobuss · Mai 2012