Juli Gudehus: Lesikon

»Das Lesikon der visuellen Kommunikationeine Collage«. 9704 Begriffe aus sämtlichen Lebenslagen der visuellen Kommunikation auf 3000 Seiten. Eine Designgeschichte in 508 Kapiteln.

Kürzlich habe ich Juli Gudehus auf einer abendlichen Präsentation ihres neuen Buches kennengelernt. Es trägt den Titel:
»Das Lesikon der visuellen Kommunikationeine Collage«.

Schon auf der diesjährigen Buchmesse ist es aufgefallen und spätestens seit der Rezension in der Zeit vom 18. November vielen bekannt (lesenswert und zum Download auf: www.zeit.de/2010/47/L-SM-Lesikon).

9704 Begriffe »aus sämtlichen Lebenslagen der visuellen Kommunikation« auf Dünndruckpapier. Trotzdem ist es 2075 g »leicht«, weil das Buch 3000 Seiten stark ist.. Neun Jahre hat Juli Gudehus »mit Unterstützung von 3153 Co-Autoren« Begriffsbedeutungen zusammengetragen, definiert und kommentiert. Im Kabriolett-Schuber (eine Begriffs- und Gestaltungsschöpfung von ihr, die so neu ist, dass sie im Lesikon noch nicht enthalten ist). Und mit von der Autorin selbst gesammelten Lesezeichen (fünf in jedem Exemplar).

Es ist fast wie ein Lexikon, aber ganz anders. Eine Designgeschichte in 508 Kapiteln. Völlig subjektiv, scheinbar ohne Ordnung (weil nicht durchgehend alphabetisch).

Für mich als »Nicht-Designer« eine wahre Fundgrube von Begriffen und Verknüpfungen von denen ich im Leben noch nichts gehört habe. Es gibt aber auch Vertrautes, wie z.B. die Kapitel Management, Preisgestaltung und diverse Geschäfte. Da fühlt man sich als Ökonom wieder angesprochen. Eine von vielen Merkwürdigkeiten ist die Zuordnung des Marketings in das Kapitel »auf dem Dorf«. Für die durch Businessschulen verblendeten Marketingexperten ist das schon eine echte Herausforderung.

Das Lesikon ist (wie in der Präsentation eine Zuhörerin bemerkte) im Grunde ein Bilderbuch, allerdings mit dem Unterschied, dass die Bilder im eigenen Kopf entstehen. Und das macht es für jeden, der sich gern ein eigenes Bild macht, so vergnüglich.

Für mich als Coach und Scout ist es darüber hinaus ein weiterer Beweis für die besondere Denk- und Arbeitsweise von Designern. Diese Fähigkeit der kreativen Verknüpfung und Interpretation ist das, was das Schaffen von Voraussetzungen für Innovationen und Orientierung ausmacht.

Ich habe an dem Abend die Gelegenheit genutzt und gleich ein Exemplar mit Widmung (und Wünschen zum Vergnügen beim Flanieren durch die unendlichen Weiten des Sittengemäldes der Designerzunft) erworben. Meine Bitte um eine Quittung ist mit dem Versprechen eine solche per Post zuzusenden erfüllt worden. Das hat mir noch zu einem weiterenganz persönlichenLesezeichen verholfen. Das steckt jetzt vor der Seite 143 mit dem Begriff »Glück« unter dem Kapitel »Hochzeit«. Und weil das Glück oft nicht allein ist. kommt es unter »Märchenhaft« noch mal vor (hier als Person – auf Seite 2806).

Ich wünsche allen (hoffentliche zahlreichen Lesern) mindestens das gleiche Glück und Vergnügen. Selbst dann wenn es (wie für Erik Spiekermann) zur Droge wird.

Verlag Hermann Schmidt, Mainz 2010
ISBN 978-3-87439-799-5

Joachim Kobuss · Dezember 2010