Gunter Dueck: Professionelle Intelligenz

»Professionelle IntelligenzWorauf es morgen ankommt«. Für Designer und eine zukunftsfähige Designkultur.


Der Autor Gunter Dueck ist mir erstmalig aufgefallen, durch einen Beitrag mit dem Titel »Ich hasse Krisen« (im neuenbeim Murmann-Verlag wiederaufgelegtenKursbuch 170 »Krisen lieben«). Da Liebe und Hass bekanntlich eng beieinander liegen, wurde ich etwas neugierigbesonders durch den Untertitel »Denn Krisen geben Macht, die keiner braucht«. Aber darauf möchte ich hier nicht näher eingehen.

Was mich erst richtig neugierig gemacht hat, war der Hinweis auf sein neuestes Buch: »Professionelle Intelligenz – Warauf es morgen ankommt«. Ich erhoffte mir darin eine Antwort darauf zu finden, wie man Krisen lösen kann – und wurde nicht entäuscht.

Es geht um Exzellenz vs. Mittelmäßigkeit. Und hier wird nicht dem Elitedenken gehuldigt. Es geht vielmehr um das was Professionalität heute bedeutet: Anstatt abarbeiten – »sich stetig wandelnde Prozesse steuern und Probleme lösen«. Der Autor zielt auf unsere unternehmerische Persönlichkeit ab, die immer mehr im Vordergrund stehen muss.

Dafür brauchen wir viele verschiedene Intelligenzen, die insgesamt unsere »Professionelle Intelligenz« ausmachen. Diese stellt sich als integrierendes Dach aller Einzelintelligenzen dar, die er wie folgt definiert:

  • IQ – die normale Intelligenz des Verstandes
  • EQ – die Emotionale Intelligenz des Herzens und der Zusammenarbeit
  • VQ – die Vitale Intelligenz des Instinktes und des Handelns
  • AQ – die Intelligenz der Sinnlichkeit (Attraction) und der instinktiven Lust und Freude
  • CQ – die Intelligenz der Kreation (Creation) oder der intuitiven Neugier
  • MQ – die Intelligenz der Sinngebung und des intuitiven Gefühls (meaningful)

Seine These: »Unsere Professionelle Intelligenz entscheidet über unsere Zukunft. Entweder wir werden professionell oder wir werden Teil eines automatischen Workflows – in einem Niedriglohnjob.« Er meint damit, dass sich durch die Industrialisierung des Einfachen alles in Gewöhnliches und Besonderes (Premium) trennt. Das Gewöhnliche ist Standard, Masse und Billig – das Besondere geschätzt und höher bewertet. Wir müssen uns bemühen als Premium-Mitarbeiter (-Dienstleister) beschäftigt zu sein und uns vermarkten zu können!

Um diese Professionalität zu erreichen, reicht es nicht aus Wissen anzuhäufen. Wir denken immer noch, dass wer etwas weiß, es ja im Prinzip kann. Im Gewöhnlichen ist das so. Im Premium-Bereich muss man aber agieren, fühlen, wollen, interessant sein, überzeugen – Neues bieten.

Gunter Dueck folgert, dass Bildung und Vernunft entlang unseres IQ zu wenig sind. Um Professionalität zu erreichen brauchen wir »Empowerment«: Strategien und Maßnahmen, die den Grad an Autonomie und Selbstbestimmung erhöhen – sich selbst ermächtigen oder bevollmächtigen. Um den Zustand von Selbstverantwortung und Selbstbestimmung zu erreichen – Selbstkompetenz.

Für Designer bedeutet dies: Selbstkompetent professionelle Persönlichkeit für eine zukunftsfähige Designkultur.

Meine Empfehlung: Unbedingt lesen! Auch weil es um Nachhaltigkeit geht: »Um das Wertvolle durch steten Wandel wertvoll zu erhalten«.

Eichborn-Verlag, Frankfurt a.M. 2011
ISBN 978-3-8218-6514-0


Joachim Kobuss · März 2012