Designer und Politik – Sklavenaufstand

Eine Kritik des mangelnden Machtwillens

Sklavenaufstand

Der Philosoph Christoph Menke hat sich in seinem Buch Kritik der Rechte  (2015) mit dem Mechanismus von Rechten auseinandergesetzt, die zwischen Ausbeutung und Normalisierung schwankende Herrschaftsverhältnisse hervorbringen.

Unter »Das Recht der Passivität« geht er auf die »Selbstentmachtung der Politik« ein und bezieht sich auf der Suche nach einer Erklärung »aus dem Akt der Revolution« auf Friedrich Nietzsche. Dieser war ein Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft und beschrieb die bürgerliche Revolution als das »rätselhafte Ereignis einer aktiv betriebenen Selbstentmachtung«. Die Selbstentmachtung erklärt er in Form einer Ursprungsanalyse mit Bezug auf die »Subjektgestalt des aufständischen Sklaven oder Knechts«.

Nietzsches Analyse des Sklavenaufstands bezieht sich auf den Begriff des »Rechts« in zwei einander entgegengesetzte Bedeutungender »Herren- und der Sklavenmoral« (Erste Abhandlung in Zur Genealogie der Moral (1887/2013)). Beide bestimmen den Begriff des Rechts auf entgegengesetzte Weise. Die Herren verstehen darunter ihr Recht, Werte zu schaffen und sie nehmen sich dieses Recht, indem sie es ausübenals Ausdruck ihrer Macht.

»Dem stellt der aufständische Sklave sein Recht entgegen […], den anderen für das, was er tut, verantwortlich zu machenDamit beansprucht er nicht, »selbst zum Herrn zu werden« und wie die Herren, »auch Werte zu schaffen und darüber zu urteilen«. Vielmehr behauptet der Sklave, das »Recht des Schwachen, den Starken verpflichten zu dürfen, sich für sein Tun dem Schwachen gegenüber zu verantworten«.
Mit diesem Rechtsanspruch definieren sich die Sklaven »als Schwache und Ohnmächtige, die die Handlungen eines Starken und Mächtigen erleiden und deshalb ihre Berücksichtigung einfordern müssen«. Damit hören sie nicht auf, Sklaven zu sein. Nietzsches zentrale These lautet: »Das Subjekt dieses Rechts, ist (und bleibt daher) ein Sklave; es definiert sich durch die Inanspruchnahme und die Ausübung dieses Rechts als ein Knecht: als einer, der der Berücksichtigung bedarf«.

Die Ohnmacht der Sklaven wird somit festgeschrieben. Die Forderung nach Berücksichtigung, »sagt nein zum Leiden, […] aber nicht nein dazu, ein Leidender zu sein«. Die Position des Leidenden ist die des Passiven.

Der »Sklavenaufstand« bestätigt das Fortbestehen der Macht der Herren und der Ohnmacht der Sklaven. Der Sklave will nicht ändern, was er ist. Er will kein Handelnder sein oder werden. Er will lediglich eine rechtliche Berücksichtigung, die aber keine Form der Anerkennung ist.

Daraus lässt sich schlussfolgern, dass der »Sklavenaufstand« quasi scheitern musste, solange er sich lediglich auf Berücksichtigung (mit der Hoffnung auf Anerkennung) bezieht und nicht die Macht selbst fordert. Doch nur die Macht kann Anerkennung bewirken, weil derjenige, der sie fordert, sich nicht als Leidender, sondern als Handelnder begreift, als einer, »der etwas getan hat oder zu tun vermag, das deshalb Anerkennung verdient, weil es gut ist«.

Mit dieser philosophischen Analyse komme ich zu einem Ansatz der aktiven Aktivität, verbunden mit dem Willen und der Fähigkeit zur Beteiligung an der Macht.


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