Designer und Politik – Passive Aktivitäten

Eine Kritik des mangelnden Machtwillens

Passive AktivitätenHoffnung auf Anerkennung

Es ist scheinbar ein Dilemma! Da gibt es eine zunehmende Geringschätzung, perfide Ausbeutung, soziale Benachteiligung und ein aus diesen Gründen wachsendes Prekariat. Jedes für sich genommen ist Grund für eine Klage und fordert zu Recht, anerkannt und behoben, zumindest aber ausgeglichen zu werden. Allerdings ist das Beklagen dieser Situation und das Fordern von Veränderung hier allein nicht überzeugend.

Der Grund der Misere liegt doch in der passiven Aktivität. Das heißt, wer sich ausnahmslos auf diese Missstände konzentriert, wird bestenfalls ein mehr oder weniger großes / kleines Zugeständnis bekommen und diese Zustände damit nicht völlig beseitigen.

Es steht außer Frage, dass die Bemühungen um die Künstlersozialkasse zwecks Absicherung von Krankheitskosten und Altersversorgung wichtig sind. Auch der Zugang zur Arbeitslosenversicherung für kurz befristet Beschäftigte (und auch Selbstständige) ist (wäre) wünschenswert, ebenso die Absicherung neuer Arbeitsformen im Zuge der Digitalisierung. Ob solche Sicherungssysteme aber auf Dauer tragbar und ausreichend sind, muss in Anbetracht global wirtschaftlicher Entwicklungen infrage gestellt werden.

Auch das Engagement für das Urheberrecht zur besseren Durchsetzung und Sicherung von daraus abzuleitenden Ansprüchen und angemessener Beteiligung der Kunst- und Kulturschaffenden an der Wertschöpfungskette ist notwendig. Wie das in der Praxis dann auch als Verhandlungsposition von den Urhebern durchgesetzt beziehungsweise bei Verwertungsverstößen geahndet werden kann, hängt insbesondere von ihrem Durchsetzungswillen, ihrer Durchsetzungskompetenz und ihren Durchsetzungsressourcen ab.

Ebenso ist die Wirtschaftsförderung und ihre Abstimmung auf die Bedarfe der Kultur- und Kreativwirtschaft von Bedeutung. Weil sie mit insgesamt elf Teilbranchen sehr vielfältig und unterschiedlich ist, wird es schwer, allen gerecht werden zu können. Ermäßigte Umsatzsteuersätze oder Buchpreisbindungen machen hier (nur) für vereinzelte Branchen Sinn. Und wie die Digitale Agenda der »Industrie 4.0« als zentrales Thema für die Kultur- und Kreativwirtschaft profitabel wirken soll, ist in Anbetracht von drohenden Arbeitsplatzverlusten und real digitaler Ausbeutung mit unübersehbaren Risiken verbunden und deshalb noch völlig unklar.

Die mediale und kulturelle Bildung ist eine der größten Herausforderungen, mit denen wir aktuell konfrontiert sind. Gerade vor dem Hintergrund unserer durch Neoliberalismus zunehmend ökonomisierten Gesellschaft werden nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politisch tiefgreifende und nachhaltig zerstörende Veränderungen auf uns zukommen. Wie die offensichtlichen Gegensätze und die einseitige Entwicklung zugunsten einer ökonomischen / technischen im Verhältnis zu einer mehr und mehr vernachlässigten geisteswissenschaftlichen / humanen Bildung überwunden und wieder in ein Gleichgewicht gebracht werden können, ist zurzeit völlig offen.

Alle diese Missstände / Probleme können allein mit Klagen und Fordern nicht behoben / gelöst werden. Nur wenn es den Designern gelingt, die passive in eine aktive Aktivität zu transformieren, und das heißt Macht zu übernehmen und Verantwortung anzunehmen, lässt sich Wirkungsmacht erzeugen.

Was heißt das? Bevor ich dazu konkret werden, ein kurzer philosophischer Exkurs.


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