Designer und Politik – Aktive Aktivitäten

Eine Kritik des mangelnden Machtwillens

Aktive Aktivitäten – Praxis politischer Macht

Die praktische Ausübung von Macht ist eine absichtliche Handlung und setzt Willen, Eignung und Fähigkeit zur Macht voraus. Einfluss nehmen kann dann als eine Form von Macht angesehen werden, wenn ein einflussreicher und -nehmender Akteur das Verhalten von Menschen verändert, indem er sie dazu bringt, etwas zu tun, was sie sonst nicht getan hätten. Macht und Führungskompetenz müssen hier allerdings unterschieden werden, wobei eine Führungskompetenz nicht automatisch etwas mit Führer sein zu tun hat. So besitzen etwa viele Führer keine Führungsqualitäten, während viele mit Führungskompetenzen keine Führer sind, weil sie keine Machtposition besitzen.

Die Erlangung von Machtpositionen setzt neben Führungskompetenzen auch die Fähigkeit zur wirkungsrelevanten Kommunikation voraus. Die Absicht Macht anzustreben, muss deutlich werden und die Fähigkeit, Macht auszuüben muss authentisch vermittelt werden.

Dazu braucht man Unterstützung von denen, deren Interessen man vertreten und durchsetzen will. Und man braucht gute und überzeugende Argumente bei denen, die man für eine Machtteilung gewinnen will: Man muss also diejenigen gewinnen, die bereits an der Macht sind – die aktiven und amtierenden Politiker.

Für Designer bedeutet dies, dass sie selbst die Macht anstreben müssen, um ihre Interessen auch tatsächlich vertreten und durchsetzen zu können. Wenn diese sich dazu selbst nicht in der Lage sehen (aus welchen Gründen auch immer), dann sollten sie einen / mehrere dafür Geeignete aus dem Kreis der beruflichen Designer oder ihnen nahestehender nichtberuflicher Designer auswählen und in diesem Bemühen unterstützen.

Gerade weil diese Form der (politisch motivierten) Kooperation in den Designerberufen und -verbänden leider unterentwickelt ist, tut es Not, hier aktiv zu werden. Weil sich die deutschen Berufsverbände aber der passiven Aktivität verschrieben haben, sieht es nicht danach aus, dass sich hier in absehbarer Zeit etwas ändern wird. Um aktive Aktivitäten zu entwickeln, brauchen die Designer offensichtlich eine neue Form der Organisation.

Wie solche neuen Organisationsformen aussehen könnten, dazu mehr in dem Buch Erfolgreich als Designer – Designleistungen bewerten und kalkulieren (2017), Kapitel 6 Kooperation als Wertschöpfung.