Crowdworking – Vorteile Auftraggeber

Eine Kritik der illusionären Wertschätzung und Wirkungsrelevanz

Illusion: Vorteile für Auftraggeber?

Die Anbieter von Crowdsourcing-Plattformen umwerben Auftraggeber mit guten, schnellen und preiswerten Dienstleistungen bzw. Design-Werkleistungen. Hervorgehoben aus der scheinbaren Fülle von Vorteilen werden vor allem: die Strukturierung und Erledigung von ungelösten Aufgaben in Micro-Jobs, die sofortige Bearbeitung durch qualifizierte »Gurus«, das Versprechen einer Qualitätssicherung und der Erhalt von perfekten Ergebnissen. Dies alles wird als persönlicher Service, mit individuellen Lösungen aus einer Hand, Automatisierung der Abläufe, einer motivierten Crowd und hoher Qualität offeriert.

Falls diese Offerten tatsächlich erfüllt werden, wird deutlich, welche Art von Leistungen dafür überhaupt infrage kommen: einfache, gut zerlegbare Routinearbeiten mit Akzeptanz der daraus resultierenden Imitationen. Völlig ungeeignet hingegen sind: komplexe, zusammengehörige Arbeiten und Aufgaben, die innovative Lösungen erwarten lassen.

In den Design-Werkleistungen (auf den Unterschied zwischen Dienstleistungen und Werkleistungen gehe ich unter Illusion: Dienst- vs. Werkleistungen! am Schluss näher ein) gibt es durchaus einige Routinearbeiten, die nach präzisen Vorgaben durchgeführt werden können und damit für die Erledigung durch Crowdworker geeignet sind. Individuelle, anspruchsvolle und komplexe Entwurfs- und Gestaltungsaufgaben können in der Regel durch Crowdworking nicht geleistet werden, da die dafür notwendigen Informationen nur im persönlichen Kontakt in Erfahrung gebracht werden können und weil nur aus einem solchen Kontakt die für die Aufgabe notwendigen und zielführenden kreativen Intuitionen und Innovationen hervorgebracht werden können. Qualifizierte und erfolgreiche Designer haben zudem weder die Kapazitäten noch wirklich ein Interesse, mäßig – wenn überhaupt – bezahlte Werkleistungen zu erbringen und sind daher auf den Crowdsourcing-Plattformen nicht anzutreffen. Auftraggeber müssen daher davon ausgehen, dass sie hier im besten Fall mittelmäßige Werkleistungen – von mittelmäßigen Bewertern gelikt – finden und bekommen.

Das Qualitätsversprechen der Anbieter von Crowdsourcing-Plattformen ist ein leeres. Denn wie will ein Anbieter, wie zum Beispiel der in dem beschriebenen Artikel erwähnte Jovoto, bei 80.000 registrierten Teilnehmern so etwas wie eine Art Qualitätskontrolle durchführen und gewährleisten? Gar nicht! Die Anbieter betreiben lukrative Businessmodelle für sich selbst und sind in erster Linie auf Profit ausgerichtet. Ein bei diesen Quantitäten erforderlicher Aufwand für eine effektive  Qualitätskontrolle würde sich betriebswirtschaftlich überhaupt nicht rechnen.

Der im Zusammenhang mit Crowdworking oft angepriesene Kostenvorteil für die Auftraggeber entpuppt sich bei näherer Analyse als wesentlich geringer als erhofft. Auch wenn es möglich ist, anspruchslose Dienst- oder Werkleistungen sehr kostengünstig, weil niedrig bis gar nicht honoriert, einzukaufen, bleibt ein nicht zu unterschätzender Mehraufwand für Kontrolle und oft notwendige Nacharbeit. Im Falle anspruchsvollerer Leistungen kommen dann noch die Investitionen in die Entwicklung und Bereitstellung interner Auswahl- und Entscheidungskompetenzen hinzu. Dies alles kostet Zeit und damit auch Geld. Und dann sind da noch die Opportunitätskosten – also entgangene Erlöse, die dadurch entstehen, dass vorhandene Möglichkeiten zur Nutzung von Ressourcen nicht wahrgenommen werden. Alles in allem eine Illusion!


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