Crowdworking – llusionen

Eine Kritik der illusionären Wertschätzung und Wirkungsrelevanz

Die neuen Illusionen?

Der Artikel aus DIE ZEIT fasst zusammen, mit welcher rasanten Entwicklung wir hier konfrontiert sind. Es wird deutlich, dass sich die Spannung vom digitalen Hype bis hin zu einer veränderten Machtbalance bewegt. Diese erzeugt problematische Illusionen, auf die ich hier im Einzelnen eingehe.


Illusion: Weisheit?

Auf Wikipedia wird der Begriff »Crowdsourcing« wie folgt beschrieben: »[…] auch “wisdom of the crowd” = Die Weisheit der Vielen oder Crowdworking […].« Ebenfalls auf Wikipedia: »Weisheit bezeichnet vorrangig ein tief gehendes Verständnis von Zusammenhängen in Natur, Leben und Gesellschaft sowie die Fähigkeit, bei Problemen und Herausforderungen die jeweils schlüssigste und sinnvollste Handlungsweise zu identifizierenAus historischen Erfahrungen ist es demnach absolut zweifelhaft, dass die (unbekannte) Masse mit »Weisheit der Vielen« selbstverständlich in Verbindung gebracht werden kann. Es ist daher eine Illusion!


Illusion: Innovation?

Wie bereits erwähnt, widerspricht es allen Erfahrungen, dass Innovationen durch Masse – und dann auch noch durch eine unbekannte – erzeugt werden. Selbst wenn dies einmal vorkommt, wer kann und wie will man diese aus der unüberschaubaren Masse heraus identifizieren?

Typisch für digitalisierte Such- und Wertungsprozesse ist, dass sie auf der Basis vorhandener Informationen programmiert sind, dadurch auch immer einen Mainstream generieren und in den Vordergrund rücken. Das in dem genannten Artikel erwähnte Beispiel der Designerin auf der Plattform Jovoto, die für ihre 249 verschiedenen Entwürfe farbige »Schleifchen« für Preiswürdigkeit und Gefallen bekommt, steht für diese Art Wertungsprozesse. Was haben die Kriterien Preiswürdigkeit und Gefallen mit Innovation zu tun? Man dazu neigt, die bereits vergebenen Würdigungen und Gefallensbekundungen nachzuahmen. Das nennt man dann Imitation, und das ist das Gegenteil von Innovation.

Auch das Beispiel von Greenpeace zeigt, dass man dort glaubt, aus 380 Vorschlägen in 980 Varianten eine für die Sache, die Institution und die Zielgruppe angemessene und optimale Lösung herausfischen zu können. Dabei geht völlig unter, dass diese abstrakte – weil unpersönliche – Auswahl ungeeignet ist, eine Lösung zu generieren, die alle Möglichkeiten des Auftraggebers und des Designers berücksichtigt (im Sinne einer Symbiose zwischen Orientierung an Ressourcen und Idealzuständen). Und hat man dort einmal nachgerechnet, welch erheblicher Zeitaufwand bei qualifizierter Auswahl aus einer solchen Masse entsteht? Woher nehmen sie die Kompetenz dazu? Auch dies dürfte eine Illusion sein!


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