Award-Business – Wirkungsunschärfe – Juli Gudehus

Eine Kritik der wirkungsunscharfen Vernunft

Die Designerin Juli Gudehus hat (2006) in einem offenen Brief an den damaligen Bundeswirtschaftsminister die kostenpflichtige Nominierung durch den (früheren) »Designpreis der Bundesrepublik Deutschland« kritisiert. Sie verwies auf ihre Verwirrung, einen Preis zu bekommen oder einen Preis zu bezahlen. Auch merkte sie an, dass sie den Preis erst mal verdienen muss (was für eine Kleinstunternehmerin nicht ganz so einfach ist) und verband das mit der Frage: »Oder wurde angenommen, dass ohnehin nur finanzkräftige Designbüros und Auftraggeber teilnehmen würden?«

Dass fast alle Designpreise mit hohen Kosten verbunden sind und der Staat da mitmacht, hielt sie für skandalös. Sie verwies darauf, dass Musiker (für den Grammy), Schauspieler (für den Oscar) und Wissenschaftler (für den Nobelpreis) nicht bezahlen müssen, sondern sogar im Gegenteil der Nobelpreis mit einer hübschen Preissumme verbunden ist, mit der neue Forschungsvorhaben finanziert werden können. »Und das soll bei Designern anders sein? Warum?«

Sie war der Meinung, dass wenigstens ein Staatspreis den Ehrgeiz haben sollte, »die kreative Elite seines Landes finanziell zu fördern und nicht zu schröpfen!« Sie appellierte noch an die Verantwortung des Staates für die Freiheit von Wissenschaft und Kultur – und »wenn er sie schon nicht beschützen kann, so sollte er sie wenigstens nicht mit zweifelhaften Aktionen wie einem solchen ›Preis der Preise‹ verhöhnen.«

Sie bat dann noch abschließend höflichst um Aufklärung. Soweit bekannt, ist diese bisher nicht erfolgt.

(Dass Juli Gudehus vor einigen Jahr einen »Ehrenpreis« ins Leben rief, macht deutlich, wie ernst es ihr mit ihrem Anliegen war/ist. Leider ist dieser bisher nicht aus den Startlöchern gekommenmangels finanzieller und personeller Ressourcen.)


Noch eine weitere Designer-Kritiken (von Daniel Hyngar):


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