Award-Business – Wirkungsunschärfe – Daniel Hyngar

Eine Kritik der wirkungsunscharfen Vernunft

Der Designer Daniel Hyngar veröffentlichte (Ende 2015) einen Brief an den Rat für Formgebung, in dem er auf die gleiche Problematik hinwies (wie bereits schon Juli Gudehus). Auch er wurde ungefragt nominiert und sah sich mit Kosten konfrontiert, die ihn zur Rückgabe der Nominierung zwangen. Er verband dies mit der Feststellung: »Ein Gewinn bei Ihnen wäre ein Verlust für mich

Er zeigt durchaus Verständnis dafür, dass »die Organisation des Preises, die Gewinner-Gala, PR-Maßnahmen und geplante Publikationen irgendwie finanziert werden müssen.« Was er aber nicht verstand: wo die Auszeichnung für die Designer ist, wenn diese die Kosten für die Veranstaltung tragen müssen! Mit Hinweis auf die vom Deutschen Bundestag ins Leben gerufene Stiftung des Rat für Formgebung stellte er die Frage: »Haben Sie […] nicht vielmehr den Zweck, die Allgemeinheit (der Designer) auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos zu fördern

Auch bat er um Auskunft darüber, ob es Designer gibt, die von der Auszeichnung nachweislich ökonomisch profitiert haben – und fragte ferner: »Können Sie mir Informationen über die Reichweite der Jahrbücher geben? Können Sie mir einen Überblick über den Widerhall Ihrer Pressearbeit geben, damit ich meine Investition überdenken könnte?« Er wandte ein, dass es ihm nicht ersichtlich ist, welche Leistungen er beim Rat einkaufe und er daher nicht beurteilen kann, ob seine Marketinginvestitionen nicht woanders besser aufgehoben wären. Abschließend bat er um Beantwortung seiner Fragen.

Nach Veröffentlichung seines Briefes erhielt er umgehend eine Antwort des Rat für Formgebung. Darin wurde das Leitmotiv der Stiftung formuliert: »Markenmehrwert durch Design. Unsere Wettbewerbe differenzieren sich im Markt durch die Qualifizierung des Teilnehmerfeldes vor dem Beginn einer jeden Ausschreibung. Unsere Experten recherchieren, analysieren und bewerten permanent neue Entwicklungen in den Bereichen Markenführung und Design und sprechen dann Vorschläge für die Teilnahme aus.«

Die Auszeichnungen sind »aus gutem Grund« kostenpflichtig, da man sich einem Designbegriff verpflichtet fühlt, »der in der Lage ist, vor allem wirtschaftliche Werte zu schaffen«. Man vergebe keinen »Kunst-, Literatur- oder Theaterpreis«, sondern vermarkte die »kreativen und strategischen Leistungen der Industrie und ihrer wirtschaftsnahen kreativen Dienstleister«.

Dann folgt der Hinweis auf den Unterschied: »der Auslober«. Man sei weder eine staatliche Institution noch ein Designerverband. »Initiiert hat uns der Deutsche Bundestag vor 65 Jahren mit dem Auftrag, die deutsche Wirtschaft in puncto Design exportfähig zu machen; gegründet hat uns – als Stiftung bürgerlichen Rechts – der Bundesverband der Industrie. In der Tat sind wir heute eine Organisation der Wirtschaft für die Themenkomplexe Markenführung und Design. Über 220 Mitgliedsunternehmen – vom Mittelständler bis zum Global Player – aus den unterschiedlichsten Branchen können wir heute zu uns zählen.«

Abschließend wurde noch »versichert«, dass die Mitgliedsunternehmen »sehr genau hinsehen, wer von uns ausgezeichnet wird; sind sie doch ebenfalls in die Nominierungs- und Juryverfahren involviert. Als Teilnehmer an unseren Wettbewerben können Sie von diesem Netzwerk profitieren.«

(Hier wird deutlich, dass es zu keiner Zeit um die Akteure im Design – die Designer – ging. Es ist vielmehr eine Export-Förderung der deutschen Wirtschaft. Auch von Neutralität kann keine Rede sein. Die Fragen nach Reichweite der Jahrbücher und Überblick über den Widerhall der Pressearbeit sind leider unbeantwortet geblieben. Worin der Profit von diesem Netzwerk liegt, ist unklar. Von der heute im Marketing zwingend erforderlichen Skalierbarkeit von Investitionen in diesem Bereich keine Erwähnung – und das bei einem reinen Marketinginstrument. Auch das ist eine Wirkungsunschärfe!)


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