Award-Business – Wirkungsrelevanz

Eine Kritik der wirkungsunscharfen Vernunft

Die Beiträge von Olaf Leu und die Kritiken von Juli Gudehus und Daniel Hyngar machen deutlich, dass das Award-Business eine Erwartungshaltung bei Designern erzeugt, die von den Veranstaltern überhaupt nicht befriedigt werden will.

Die Haltung der Veranstalter kann zu Recht kritisiert werden, zielt sie am Ende doch ausschließlich auf den eigenen Profit ab. Da eingangs bereits erwähnt, dass Profit an sich nichts Schlechtes, sondern vielmehr in unserem Wirtschaftssystem unabdingbar ist, geht es in dieser Kritik primär um die Ausschließlichkeit.

Wenn es also nur um den Profit der Veranstalter geht – und das ist nicht nur bei den großen Awards der Fall (auch der Deutsche Designer Club DDC hat sich zuletzt darauf ausgerichtet) – dann zählt nur noch der wirtschaftliche Nutzen für die Teilnehmer: Reichweite der Jahrbücher, Presseresonanz und lukrative Aufträge aus dem Netzwerk – die Skalierbarkeit der Marketinginvestitionen!

Daher sollte die Diskussion um die »qualitative/gute und ausgezeichnete« Gestaltung etc. endlich beendet werden. Denn es geht nicht um Kunst und Kultur, nicht um Qualität – sondern ausschließlich um Quantität. Dies ist das einzig Ausgezeichnete am Award-Business. Der vermittelte Anschein von Gestaltungskompetenz und Unabhängigkeit der Jurys ist ein reiner Etiketten-Schwindel. Da ist überwiegend kein Design drin, wo Design drauf steht – das sind Styling-Festivals, die bestenfalls das Mittelmaß auf die Bühne heben und ins blendende Scheinwerferlicht stellen. Solange es genug Abnehmer gibt, die sich derart blenden lassen, wird sich nichts daran ändern.

Die von Olaf Leu aufgeworfene Frage, warum man heute eigentlich nicht damit droht, schlechte Wettbewerbs-Bedingungen bei anderen Institutionen und in entsprechenden Publikationen bekannt zu machen, wirft eine weitere auf, nämlich, wo und wer diese ernst zu nehmenden Institutionen und Publikationen, die diese Aufgabe kompetent und wirkungsrelevant umsetzen könnten, sind:

  • Die Design-Fachpublikationen sind in diesem Punkt eher profitorientiert, zumal sie teilweise Organe der Award-Veranstalter sind.
  • Die meisten Förderinstitutionen kommen hier nicht in Frage, da dies ihren gesetzlichen und statuierten Rahmenrichtlinien widerspricht.
  • Die Designerverbände haben in den letzten Jahrzehnten massiv an politischer Bedeutung verloren, sodass deren Kritik nicht ernst genommen wird (da Jammern und Fordern politisch nicht wirkt – allenfalls negativ). Die jüngst von einem traditionsreichen Designerverband aufgestellte Forderung nach »Wiederaufnahme einer offiziellen und dotierten Würdigung, die dem Designstandort Deutschland gerecht wird«, – also dem früheren »Designpreis der Bundesrepublik Deutschland« –, liest sich für dessen Mitglieder engagiert, hat jedoch vor dem Hintergrund der Vereinnahmung des Designs in die Kultur- und Kreativwirtschaft keine Chance auf Realisierung (weil für die nächsten Jahre keine Etats dafür vorhanden sind und der Bund auf die Awards des Rat für Formgebung verweist).
  • Die Designer selbst müssen aktiv werden und sich nicht hinter mutmaßlichen Eigennützlichkeiten verstecken (Eigennutz ohne Gemeinnutz nützt auf Dauer nichts – schadet nur allen). Zu begrüßen ist hier die Initiative von Daniel Hyngar, der kürzlich eine Petition zur Neuausrichtung des »Designpreises der Bundesrepublik Deutschland« startete.
    Ob diese allerdings wirkungsrelevant adressiert wurde, ist zu bezweifeln,
    … da der Leiter des Referats »VIA5« im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie nicht den Bundestag repräsentiert.
    … weil das Bundesministerium die Design-Förderung in die Initiative für die Kultur- und Kreativwirtschaft integriert hat (wie oben erwähnt) und
    … weil das frühere Design-Referat dort aufgelöst wurde.
    Lobby-Arbeit funktioniert anders!
    (Übrigens: Change.org-Petitionen an den Bundestag und die Abfrage dieser bei sämtlichen Abgeordneten setzen voraus, dass das Petitionsanliegen nicht nur von mindestens 100.000 Menschen unterstützt wird, sondern auch eine Mehrheit in der Bevölkerung findet.)
    Immerhin gibt es zur Petition schon einen kritischen Kommentar im Radio von Bayern2 Kultur (dieser ist allerdings für die Designer nicht gerade rühmlich, weil die typischen Klischees bedient werden und »die Kreativwirtschaft sich nicht nur selbst, sondern auch uns verarscht« – so die Kommentatorin).


Das Problem ist wie so oft komplexer. Wenn sich die Designer als Kreative und die Designwirtschaft als Kreativwirtschaft positioniert (was übrigens falsch ist, da die Designwirtschaft offiziell zur Kulturwirtschaft zählt), müssen sie sich nicht wundern, wenn sie auch so behandelt werden – eben als »Verarscher«. Sie sind dann im gleichen Topf wie die Award-Veranstalter und können allein schon deshalb nicht wirklich ernst genommen werden – weder von der Öffentlichkeit und schon gar nicht von der Wirtschaft.

Ein weiterer sehr wichtiger Aspekt ist die offensichtliche Orientierungslosigkeit vieler Designer. Wie ist sonst zu erklären, dass sich viele von diesem Arward-Business derart blenden lassen, die Bereitschaft zur brancheninternen Kooperation so gering ausgeprägt und eine professionell politische Lobby-Arbeit derart unterentwickelt ist?

Wie könnte eine machbare Lösung aussehen?  Wenn sich die Designer auf ihre eigentlichen Stärken konzentrieren – sich also differenzierter als Architektur-, Produkt-, Kommunikations-, Service- und Sozio-Designer klassifizieren, die volkswirtschaftlich relevante Übertragungseffekte (Spillover) definieren, die Innovations-Relevanz von Design beweisen und professionell kooperieren – dann kämen wir weiter. Politisch sind die Chancen zurzeit dafür sehr gut, weil hier einiges in Bewegung ist.

Zu kompliziert? Nein – wenn man Schritt für Schritt vorgeht. Also (im Sinne Olaf Leu’s) das »Übel« an der Wurzel packt – bei der Aus-Bildung und bei der Kooperation!

Zur Aus-Bildung gehört demnach nicht nur das handwerklich/fachliche Know-how, sondern auch die Fähigkeit und (ökonomische und politische) Kompetenz zur Kooperation. Also nicht gegeneinander (egoistisch Konkurrieren) – vielmehr miteinander (gemeinnützig Agieren) und intelligent »wettbewerben«.

So viel vorerst zur Beseitigung der Wirkungsunschärfen.


Sie können die vollständige Kritk hier herunterladen (PDF):