Award-Business – Wirkungsquantität

Eine Kritik der wirkungsunscharfen Vernunft

Die inflationäre Entwicklung der Wettbewerbe im Designbereich ist ein Fakt, dessen Ursache, aus einer wertneutralen Perspektive betrachtet, erhellend ist. Der in den 1990er Jahren dominant gewordene wirtschaftliche Gestaltungswettbewerb war eine Folge der vorausgegangenen Jahrzehnte, in denen der Preiswettbewerb (1950er bis 1960er Jahre) und Qualitätswettbewerb (1970er bis 1980er Jahren) nacheinander bestimmend waren. Nachdem diese zur Anhebung der allgemeinen Produktqualität maßgeblich beigetragen haben, war es nur logisch, dass, darauf aufbauend, immer mehr die Gestaltung als dominierende wirtschaftliche Wettbewerbsdimension in den Vordergrund schob.

An dieser Entwicklung hatten Institutionen, wie z.B. der Rat für Formgebung, das Haus Industrieform und die Hannover Messe sicher ihren Beitrag geleistet. Diese standen gewissermaßen damit in der Tradition einer bereits im 19. Jahrhundert begonnenen Sensibilisierung in der Gestaltung von Produkten und Kommunikation sowie der daraus im 20. Jahrhundert resultierenden Werkbund-Bewegung, der Gründung des »Bund Deutscher Gebrauchsgrafiker (BDG)« und der Bauhaus-Hochschule.

Durch die im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts sich durchsetzende Dominanz des Gestaltungswettbewerbs hat nicht nur die öffentliche Wahrnehmung von Design – im positiven wie negativen Image – rasant zugenommen, sondern auch das Bedürfnis nach Auszeichnungen und Wettbewerben.

Im Zuge dieser sich steigernden Bedürfnisse nach Anerkennung war es naheliegend, dass sich die bis dahin um die Förderung verdient gemachten Institutionen (wie vorher erwähnt) kommerzialisierten und aus dem »Roten Punkt« des Haus Industrieform einen »Red Dot«, aus »Gute Industrieform« der Hannover Messe einen »iF Award« und aus dem »Designpreis der Bundesrepublik Deutschland« durch den Rat für Formgebung einen »German Design Award« und »German Brand Award« machten. Der quantitative Erfolg ist unbestritten und lässt die Initiatoren in einem scheinbar »positiven« Licht erscheinen. Nicht unerwähnt sollte hier auch bleiben, dass die beruflichen Designer – bzw. die Designwirtschaftdavon erheblich profitiert haben. Die quantitativen Zuwächse an Akteuren und Umsatz sind überdurchschnittlich, die Designwirtschaftals Teilbranche der Kultur- und Kreativwirtschafttreibendender Motor mit nahezu alleiniger Querschnitts-Relevanz. Wozu dann hier eine Kritikwenn doch quantitativ alles ganz gut auszusehen scheint? Allerdings nur scheinbar!


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