Award-Business – Wirkungsqualität

Eine Kritik der wirkungsunscharfen Vernunft

Wie in vielen Bereichen sind auch im Design Quantität und Qualität selten deckungsgleich. Die beschriebene Mutation der institutionellen Auszeichnungen zeigen deutlich, dass mit Zunahme der Gestaltungsmenge das Gestaltungsniveau verliert. Es ist eine quasi diametrale Entwicklung – je mehr Quantität, desto weniger Qualität. Anders betrachtet, je mehr die öffentliche Wahrnehmung von Design zunimmt, desto mehr mittelmäßige bis unterirdische Gestaltung macht sich breitwird dadurch quasi zum Standard - zum prämierten!

An dieser problematischen Entwicklung sind auch so ambitionierte Initiativen wie z.B. der Deutsche Designer Club (DDC) mit seiner Auszeichnung »Gute Gestaltung/Good Design« nicht ganz unbeteiligt. Hat sich doch dieser Wettbewerb im Laufe der Zeit immer mehr kommerzialisiert. Das ist tragisch, da er von denen, die Design beruflich machen, getragen wird (im Gegensatz zu den bereits erwähnten Institutionen).

In Folge dieser Kommerzialisierung und des Qualitätsverlustes haben die fördernden Institutionen, wie z.B. das Design Center Baden-Württemberg und descom in Rheinland-Pfalz, an öffentlicher Wahrnehmung und damit Relevanz verloren. Sie leiden unter der nachlassenden Aufmerksamkeit an geförderten Wettbewerbenwerden zumindest dadurch erheblich in ihrem Potenzial behindert.
Auch so ambitionierte Privatinitiativen, wie der »Ehrenpreis« der Designerin Juli Gudehus, sind – fast im Keim ersticktbetroffen, da die für eine erfolgreiche Entwicklung erforderlichen Ressourcen sehr schwer akquirierbar sind. Ein wesentlicher Grund für die Hindernisse der fördernden und ambitionierten Wettbewerbe ist, dass durch die Kommerzialisierung Mittel im erheblichen Maß gebunden werden. Dies gilt für die monetären wie für die kommunikativen Mittel gleichermaßen.

Und was den bereits erwähnten quantitativen Erfolg der beruflichen Designer – bzw. der Designwirtschaft – angeht, so ist dem hinzuzufügen, dass nicht nur Akteure und Umsätze überdurchschnittlich wachsen, sondern auch die prekären wirtschaftlichen Verhältnisse der selbstständig/unternehmerisch (diese sogar mehrheitlich) und abhängig Tätigen. Deshalb hier eine Kritik – weil es qualitativ gar nicht gut aussieht!


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