Werbemarkt

Die Kreativ-Illusion – Eine Kritik der kreativen Vernunft

 

Auffallend ist, dass insbesondere der Werbemarkt die Begriffe Kreativ/Creative penetriert, und das mit seinem ganzen Propaganda-Know-how. Da stellt sich die Frage: Warum? Nun schrumpft der Werbemarkt seit Jahren und die Branche sucht verzweifelt nach Möglichkeiten, diesen Prozess aufzuhalten. Eine Lösung ist es, in andere Branchen einzubrechen und deren Akteure und Leistungen für sich zu vereinnahmen. Da der Werbemarkt traditionell mit vielen Designern arbeitet (genauer formuliert: viele Designer für sich arbeiten lässt – oder noch präzieser: für sich ausbeutet), ist es naheliegend, sich der Designwirtschaft zu bedienen und diese quasi zu vereinnahmen. Die Folge ist eine zunehmende Verwerbung von Designdienstleistungen.

Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass sich die wirtschaftlich prekären Verhältnissebesonders bei den Angestelltenvom Werbemarkt auf die Designwirtschaft überträgt. Die impirischen Daten von 2012 zeigen eine desaströse Entwicklung, weil die Zahlen derjenigen, die davon nicht (!) leben können höher ist als die, die davon leben können.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass sich der Werbemarkt – also die Werbeagenturen –  schon sehr früh (ab Mitte des 20. Jahrhunderts) immer mehr hierarschich strukturiert haben, ganz nach dem Vorbild der Industrie- und Fließband-Ideologie von Henry Ford. Da gibt es Heerscharen von Creative- über Art-Directors bis zu Praktikanten (Non-Directors), in vielfältigen Abstufungen von Senior bis Junior. Diese Hierarchien haben sich dort über Jahrzehnte mehr und mehr verfestigt, ungeachtet dessen, dass sich die Hierarchien in der Industrie (aus guten Gründen) immer mehr verflacht haben. Aus der allgemeinen Erkenntnis, dass Kreativität und Kunst nicht dirigiert werden können, muss man zwangsläufig zu der Auffasssung kommen, dass der Werbemarkt ein kreativfreier Raum ist. Wenn dem tatsächlich so ist, dann kann die Kreativ-/Creative-Penetration nur als Ablenkungsmanöver gesehen werden, frei nach dem Motto: Wenn wir nur laut genug tönen und schrill genug blenden, wird es schon keiner merken!

Wenn sich das alles nur im Werbemarkt abspielte, könnte man vielleicht noch sagen: Selber schuld! Aber leider wirkt sich diese Entwicklung massiv auf andere Branchen aus. In der Designwirtschaft wird immer häufiger von Kreativität fabuliert und die Designer benennen sich (ohne Not) in Kreative um – und mutieren dann letztendlich zu profanen Werbern! Das ist dann nicht nur schlecht fürs Image, sondern auch für die wirtschaftliche Perspektive!

Welche Konsequenzen sich daraus für Designer ergeben, dazu mehr auf der folgenden Seite.