Designer

Die Kreativ-Illusion – Eine Kritik der kreativen Vernunft

 

Niemand will den Designern Kreativität absprechen – der Beruf ist ohne Zweifel ein sehr kreativer. Wenn allerdings die Kreativiät zum quasi göttlichen Schöpfungsakt erhoben wird und diese dann auch noch als exklusives Alleinstellungsmerkmal vereinnahmt und vor sich hergetragen wird, läuft man Gefahr, nicht nur unglaubwürdig zu werden, sondern sich darüber hinaus auch noch den Unmut aller anderen Berufe/Branchen zuzuziehen, die Kreativität völlig berechtigt ebenso für sich in Anspruch nehmen können (wenn auch in anderer Art und Weise). Genauer formuliert, handelt es sich hier um den Unmut potenzieller Auftraggeber, die ebenso Kreative sind – nur anders.

Damit kein Missverständnis aufkommt, das ist keine Bagatelle. Auf Auftraggeberseite zeichnet sich immer mehr Verwunderung bis Verärgerung ab. Die unterirdische Sozialakzeptanz der Werber und die daraus resultierende breite Ablehnung (insbesondere im Mittelstand) sollte alle Designer hellhörig werden lassen.

Und noch eine kritische Anmerkung: »Das Wort Kreativität wurde von der Ökonomie okkupiert, es beschreibt jetzt vor allem solche Denkleistungen, die Effektivität und damit den Profit erhöhen helfen. Arbeit darf nicht mehr nur Sinn geben und Spaß machen – sie muss es. Entfremdung wird durch sogenannte Wohlfühlangebote kaschiert und selbst die schlechtbezahlteste Angestellte einer Mediaagentur muss ihre Einsatzbereitschaft freudig demonstrieren, wenn die nächsten unbezahlten Überstunden anstehen. Bis zur totalen Erschöpfung.« – so schreibt Tobias Timm in der »Zeit« vom 13. März 2014 unter »Gestanzte Seele«. Völlig richtig!

Was aber ist die Schlussfolgerung daraus – für Sie als Designer_in? Allein diese Erkenntnis führt jegliche Exklusiv-Vereinnahmung des Begriffes »Kreativ« durch eine einzelne Berufsgruppe ad absurdum. Und das nicht nur, weil jeder für sich in Anspruch nehmen kann kreativ zu sein, sondern weil auch die Begriffsbesetzung in einen allgemeinen Protest mündet. Jeder der sich exklusiv damit schmücken will, läuft Gefahr, in die Schublade von Ausbeutern gesteckt zu werden, deren einzige Motivation ihre Partikularinteressen sind.

Wie hat es Bazon Brock kürzlich im Rahmen eines Vortrags über »Kommunikation ohne Verstehen« formuliert?: »… reden Sie nicht von Kreativität!« In dem vorab beschriebenen Sinne: Etikettieren Sie sich als Designer und nicht als »Kreativer«! Reden Sie nicht von der Kreativwirtschaft – dazu gehören Sie nicht (weil Designwirtschaft = Kulturwirtschaft)!

Lassen Sie sich auch von Buchtiteln wie z.B. Kreativität aushalten oder Die Kunst ein Kreatives Leben zu führen nicht auf die falsche Spur bringen. Orientieren Sie sich lieber an den Analysen von Ulrich Bröckling Über Kreativität (darin insbesondere an seinen Kreativitätstest nach Niklas Luhmann) und Wolff Lotter Die kreative Revolution und seiner Analyse darüber, was nach dem Industriekapitalismus kommt: Der kreative Kapitalismus.

Was Kreative sind, dazu mehr auf der folgenden Seite.