Relevanz

Design-Thinking-Confusion – Eine Kritik der methodisch denkenden Vernunft

 

Welche Relevanz hat »Design Thinking« für Designer?

Um Missverständnisse um diesen Begriff so weit wie möglich auszuräumen, ist es sinnvoll, zwischen »Design Thinking« und »Designer Thinking« zu unterscheiden. Einerseits handelt es sich dabei um Methoden und andererseits um Akteure.

Methoden (aus denen Artefakte/Ergebnisse entstehen/resultieren) werden überwiegend ohne Beteiligung von (beruflichen) Designern angewandt. Daraus ist abzuleiten, dass die Methoden prinzipiell völlig unabhängig von der Berufsgruppe Designer zu betrachten sind. Diese eigentlich simple Feststellung ist deshalb relevant, weil sie die Methoden zunächst neutral, also für jeden nichtberuflichen »Designer« zugänglich werden lässt. Sie ist auch hilfreich, um zwischen Design und Designer zu differenzieren – was bekanntermaßen im allgemeinen Sprachgebrauch häufig verwechselt wird.

Die Frage, wer was wie designt ist insbesondere im deutschen Sprachraum wichtig, da der Begriff Design hier in der Regel immer mit Artefakten in Verbindung gebracht wird. Das im angelsächsischen Raum übliche Verständnis von Prozessen ist hier – zumindest in der breiten Öffentlichkeit – unbekannt. Dass dieses Unverständnis auch noch durch die hiesigen Institutionen gefördert wird, sei hier nur am Rande erwähnt.

Nur aus dieser Unterscheidung heraus, kann die Relevanz von »Design Thinking« bewertet werden. Auch deshalb, weil die Hypothese, dass kreative Prozesse komplett designt werden können und die Präsenz von (beruflichen) Designern dabei eine aussschlaggebene Rolle spielt, kritisch zu sehen ist.

Die Methode »Design Thinking« basiert darauf, dass Fragen/Probleme besser beantwortet/gelöst werden können, wenn Akteure unterschiedlicher Disziplinen zusammenarbeiten, Herangehensweisen gemeinsam entwickeln, dabei Bedürfnisse und Motivationen von Menschen berücksichtigen, Konzepte und Strategien entwickeln, die prototypisch in Wiederholungsschleifen überprüft werden. Diese Verfahrensweise orientiert sich an der Arbeit von (beruflichen) Designern, die durch Beobachten, Verstehen, Interpretieren, Ideenfinden, Verfeinern, Ausführen und Lernen gekennzeichnet ist.

Also: »Design Thinking« für Alle, mit Allen – auch mit den (beruflichen) Designern!

Vielleicht fragen Sie sich als Designer_in, was denn da für Sie noch bleibt? Nun, Ihre Denke – »Designer Thinking«. Falls Sie sich das in Erinnerung rufen möchten, finden Sie dazu, wie Sie als Designer_in denken, mehr im Buch Designzukunft denken und gestalten (in Kapitel 11.4).


Wie sich Designer Thinking vom »Design Thinking« unterscheidet, dazu mehr auf der nächsten Seiten.