Prozesse

Design-Thinking-Confusion – Eine Kritik der methodisch denkenden Vernunft

Wie kann »Design Thinking« in Prozessen eingesetzt werden?

Von der kleinsten Arbeitseinheit bis zur Verankerung

Juergen Erbeldinger und Thomas Ramge beschreiben in ihrem Buch Durch die Decke denken die praktische Anwendung von Design Thinking in einem Meeting (ca. zwei Stunden), in einem Workshop (ca. ein bis drei Tage), einem Projekt (ca. ein paar Wochen bis Monate) und als umfassende Managementmethode (zur dauerhaften Transformation). Die dort erläuterte, zunehmende Komplexität der Methode, bietet einen hervorragenden Einblick darin, wie sie eingesetzt werden kann und welche Entwicklungsmöglichkeiten daraus resultieren können.

So empfehlen sie zum Beispiel, in Meetings mit Konventionen zu brechen: Stehend (Stühle raus) die Regeln anwenden – »es wird nur (und immer!) nacheinander geredet« und »Vermeide Kritik und erkenne Chancen«. In Workshops die Phasen »Verstehen, Beobachten, Sichtweise, Ideenfindung, Prototyping und Test« zu durchlaufen und bei Bedarf zu wiederholen. In Projekten darauf aufbauend die Qualität der Beobachtung über drei systhematische Zugänge/Techniken zu erhöhen:
·(Hypothesefreie) Beobachtung in realen Situtationen,
·(künstliches) Schaffen von Beobachtungssituationen,
·(intensive) Auseinandersetzung mit der Customer Journey.

Zur Verankerung des »Design Thinking« in Organisationen haben die Autoren eine Transformations-Pyramide entwickelt, in der sie ein stufenweises Vorgehen propagieren:

  • Step 1: Nicht reden, tun!
  • Step 2: Kernteam ausbilden!
  • Step 3: Meeting-Kultur verändern!
  • Step 4: Die Kraft zeigen und weitere Design-Thinker ausbilden!
  • Step 5: Dogmen herausfinden und umdrehen!
  • Step 6: Management innovieren!
  • Step 7: Was ist Zweck und Ziel der Organisation?

Diese stufenweise, in ihrer Komplexität zunehmende Entwicklung von Prozessen ist nicht nur praxisorientiert, sondern auch hilfreich für die Vermittlung von Möglichkeiten: durch die Anwendung der Methoden. Für Sie als Designer_in bietet sich hier die Chance, Ihre Leistung an Entwicklungsprozessen deutlich zu machen und Ihre über die klassischen Gestaltungsleistungen hinausgehenden – und immer relevanter werdenden – Beratungs- und Planungsleistungen überzeugend darzustellen.

Die Rezension zum Buch finden Sie auf dieser Website unter: Juergen Erbeldinger: Durch die Decke denken

Mehr zu diesen Entwicklungsprozessen und wie Sie sich als Designer_in dafür konditionieren können, in dem Buch Designzukunft denken und gestalten (Kapitel 14, 15 und 16).


Design Thinking im Coaching, in der Moderation und im Training

Darüber hinaus kann »Design Thinking« auch im Coaching, in der Moderation und im Training eingesetzt werden. Aus meiner Erfahrung als Coach von Designern, Moderator von Teams und Trainer von Gruppen, weiß ich um die Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten. Ich kann hier auf jahrzehntelange Erfahrung mit der Moderationsmethode zurückgreifen und eine methodische Verwandschaft zum »Design Thinking« erkennen. Dies ist deutlich erweitert, vor allem um den interdisziplinären Aspekt.

Insbesondere im Coaching, aber auch in der Moderation und im Training, ist es Ziel, die Coachees (und Teams/Gruppen) quasi zu Experten für die Antworten/Lösungen ihrer eignenen Fragen/Probleme werden zu lassen. Der Fokus richtet sich allein auf das Verstehen, das Tun und die Umsetzung. Gestalterische Mittel und Werkzeuge zur Visualisierung werden nur verwendet, um einen klar umrissenen Prozess mit überprüfbaren Ergebnissen durchlaufen zu können.

Eine wesentliche Perspektive ist hierbei, die Coochees, Teams und Gruppen für ihre eigene (vertikale) Fachkompetenz zu sensibilisieren und ihnen die Fähigkeit zu vermitteln – über (horizontale) Fachrichtungen hinweg – mit Experten anderer Disziplinen zu kooperieren.