Design Thinking

Design-Thinking-Confusion – Eine Kritik der methodisch denkenden Vernunft


Der Hype um Design Thinking wirft einige Fragen über Sinn und Zweck dieser Methode auf. Problematisch ist, dass neben der allgemeinen Verwirrung über die eigentliche Arbeit der Designer und der Frage was diese damit zu tun haben, die Chancen und Möglichkeiten unklar bleiben und der Begriff schlimmstenfalls den gering geschätzten »Designer-Attributen« zugeordnet werden. Um diese Gefahr zu reduzieren, ist es wichtig, die theoretischen Grundlagen zu definieren und vor allem die praktischen Anwendungen zu vermitteln. Diese Kritik soll ein wenig dazu beitragen.

Der Begriff Design Thinking geht auf den Designer und Gründer der amerikanischen Design-Agentur IDEO, David Kelly, zurück. Es handelt sich um eine Methode zur Lösung komplexer Probleme und zur Entwicklung innovativer Ideen. Das Konzept basiert auf der Zusammenarbeit interdisziplinärer Gruppen, die in einem sich wiederholenden und anwendungsorientierten Prozess entwickeln, testen und umsetzen.

Der britische Designer Tim Brown, CEO und Präsident von IDEO, hat die Methode in seinem Beitrag »Designer als Entwickler« des Harvard Business Manager Magazins (Juli 2008, Seiten 57ff.) sehr deutlich und verständlich beschrieben: »Bei dieser Methodik [Design Thinking] liegt der gesamten Bandbreite innovativer Tätigkeiten ein Gestaltungsethos zugrunde, bei dem der Mensch im Mittelpunkt steht.« Er führt dort u. a. aus, dass Design Thinking eine Disziplin ist, die sowohl die Bedürfnisse der Kunden als auch das technisch Machbare verbindet. Dabei werden durch eine auf Rentabilität ausgerichtete Geschäftsstrategie sowohl Kundenwert als auch Marktchancen erzeugt. Den methodischen Entwicklungsprozess beschreibt er als ein System aus drei Phasen: Inspiration, Ideenfindung und Implementierung.

In seinem Artikel beschreibt Tim Brown, wie ein Designer denkt. Wobei er einräumt, dass dieses Denkmuster kein Privileg ausgebildeter Designer ist, da er viele Menschen kennt, die hauptberuflich keine Designer sind, aber dennoch ein Talent fürs Design Thinking haben. Als Ausgangspunkt nennt er einige kennzeichnende Eigenschaften:

  • Empathie
  • Integratives Denken
  • Optimismus
  • Experimentierfreude
  • Teamfähigkeit

Die Idee und die praktische Umsetzung des Design Thinking beschreibt er darüber hinaus in seinem Buch »Change by Design: how design thinking transforms organizations and inspires innovation«
(2009).

Dieser Text ist eine verkürzte und ergänzte Fassung aus dem Buch Designzukunft denken und gestalten (Kapitel 11.6).


Der bereits erwähnte David Kelly hat 2013, gemeinsam mit seinem Bruder Tom Kelly, ein Buch mit dem Titel »Creative Confidence« herausgebracht. Es ist eine praxisorientierte Beschreibung des »Design Thinking« und kürzlich in einer deutschsprachigen Fassung unter dem Titel »Kreativität und Selbstvertrauen« erschienen. Eine Rezension dazu finden Sie auf dieser Website unter: David+Tom Kelly: Kreativität

Ein weiteres Praxisbuch zum »Design Thinking« ist ebenfalls in 2013 erschienen – von Juergen Erbeldinger und Thomas Ramge (gestaltet von Erik Spiekermann) unter dem Titel »Durch die Decke denken«. Auch dazu finden Sie eine Rezension auf dieser Website unter: Juergen Erbeldinger: Durch die Decke denken


Welche Relevanz »Design Thinking« für Designer hat, wie sich Designer Thinking davon unterscheidet und wie »Design Thinking« in Prozessen eingesetzt werden kann, dazu mehr auf den nächsten Seiten.